Zelda – Twilight Princess

Geschrieben von Marc Tönsing am 69 Kommentare

The Legend of Zelda – Twilight Princess auf der Nintendo Wii ist meine persönlich größte Enttäuschung im Videospielsektor der letzten Jahre nach Zelda – The Windwaker. Niemals musste ich mich so überwinden, ein Spiel durchzuspielen und selten habe ich mich so verarscht vor dem Fernseher gefühlt. Dieser für die Wii Konsole aufgewärmte GameCube-Port mit Fuchtelsteuerung ist in meinen Augen weder Innovativ noch hat es neue Maßstäbe gesetzt. Würde es »Elfenland – Die Befreiung« heißen und nicht das Wort »Zelda« im Namen tragen, würde es kaum jemand beachten.

Seit Ocarina of Time vor 10 Jahren ist das Kampfsystem gleich.Nach Ocarina of Time ist das Kampfsystem seit fast 10 Jahren gleich geblieben.

Während sich selbst Serien wie Grand Theft Auto kontinuierlich schrittweise weiterentwickeln herrscht bei Nintendos Zelda-Reihe eine regelrechte Stagnation und Feature-Recycling. Während der Sprung vom sehr guten »A Link to the Past« auf dem Super Nintendo hin zum genialen »Ocarina of Time« auf dem Nintendo 64 noch gewaltig in jederlei Hinsicht war, fing man nach dem interessanten Experiment »Zelda – Majoras Mask« an, das Grund-Gameplay von Ocarina of Time für das enttäuschende Zelda – The Windwaker und nun auch für Zelda – Twilight Princess wiederzuverwerten.

Mal ehrlich: Wie geflashed seid ihr damals von Ocarina of Time gewesen? Nintendo hatte nicht nur mal eben 3D Adventures wirklich leicht kontrollier- und steuerbar gemacht sondern gleichzeitig vielleicht eines der besten Spiele aller Zeiten entwickelt was damals zudem noch grafisch voll überzeugen konnte. Der Sprung vom 2D Zelda zur dritten Dimension war gewaltig und bot vor allem auch für das Gameplay ganz neue Möglichkeiten. Auch wenn das Spiel nicht “Zelda” im Titel getragen hätte, wäre es wahrscheinlich ein Hit geworden.

Bogenrätselvariation Nr. 123 Bogenrätselvariation Nr. 123 … und schon öffnen sich die Türen.

Doch was ich nach The Wind Waker befürchtet hatte ist nun auch voll und ganz bei Twilight Princess eingetreten: Das Kampfsystem und praktisch das komplette Core-Gameplay wurde mal wieder von Ocarina of Time übernommen und mit den Rätseln und Gegenständen aus sämtlichen älteren Zelda-Teilen gespickt und auf 45 Stunden+ gestreckt. Dazu kommt der praktisch nicht vorhandene Schwierigkeitsgrad knapp unter Wind Waker Niveau, was man theoretisch mit den Füssen durchspielen kann. Aber vielleicht habe ich wirklich zu viele Zelda-Teile in meinem Leben gespielt als das ich noch ein sofort durchschaubares Bogen, Bumerang oder Greifarmrätsel ertragen könnte. Das Spiel zeigt viel Altbewährtes aber zu wenig Neues als das es für mich ein Superhit wäre. Am Ende liegen dann fast 30 Gegenstände und Waffen im Inventar von denen man nicht mal ein Drittel nach ihrem ersten Verwendungszweck gebraucht hat.

Eine der wenigen wirklich coolen und stimmungsvollen Szenen im SpielEine der wenigen wirklich coolen und stimmungsvollen Szenen im Spiel

Ein neues Feature aber ist die Verwandlung in einen Wolf. Was mir anfangs wirklich Spaß gemacht hat, war später eigentlich nur noch frustrierend wenn man mal wieder unnötig einen Abgrund runtergefallen ist. Die Steuerung während der Kämpfe ist gerade mit dem Wii-Controller eine Qual. Und warum wurde die Verwandlungsanimation vom Menschen zum Wolf und zurück nicht auf einen der Knöpfe der Wii-Nunchuk-Combo gelegt? Hat diese vielleicht zu wenig Knöpfe oder warum muss ich aus dem Spiel in ein Menu wechseln um dort den Befehl zum Transformieren auszuwählen? Außerdem hatte ich während des Spielens permanent das Gefühl, dass man aus dem Sense-Feature des Wolfes hätte weitaus mehr machen können. Es wirkt auf mich eher wie eine nette Beigabe als ein vollwertiges Feature.

Diese nervende Szene hat Starfox Adventures ZügeDiese nervende Szene erreicht den Nervfaktor von Starfox Adventures

Wo wir gerade bei nervigen Features sind: Wieso muss ich nach jedem Neustart des Spiels immer wieder bei jeder Rupee-Art diese dämliche Animation sehen in der sich Link über den Edelstein freut wie ein Kind in Disneyland über einen Mann im Winnie the Pooh-Kostüm? Und wer kam auf die Idee das Speichersystem so umzusetzen, dass man nicht in jedem Raum einfach speichern kann. Und da die Wiimote keinen zweiten analogen Joystick hat um die Kamera zu bewegen bleibt einem um so etwas wie die Übersicht zu behalten nichts weiter übrig als permanent die Kamera hinter sich mit dem Z-Trigger zu zentrieren.

Wozu eine Wiimote wenn nur einen Tastendruck simuliert?Wozu eine Wiimote wenn man beim Schwingen nur einen Tastendruck simuliert?

Am schlimmsten finde ich aber an der Steuerung, dass ein Schwung mit der Wiimote nichts weiter tut, als einen Schwertschlag auszulösen und das Blocken nicht durch z.B. das Anheben des Nunchucks gelöst wurde und man verschiedene Schwertschwünge mit der Wiimote ausführen kann. So ist die »innovative Steuerung« eher hinderlich und vor allem sehr unrelaxt im Vergleich zu Joypadsteuerung. Vor allem bei einem langatmigen Action-Adventure.

Und wieso sehen eigentlich alle anderen Charaktere außer Link und Midna so aus, als ob Hyrule auf einer Atommülldeponie erbaut wurde? Über Geschmack kann man sich bekanntlich streiten und vielleicht bin ich nach dem Durchspielen von Final Fantasy XII auf der PS2 von dem guten Charakterdesign verwöhnt aber Gestalten wie der Vogel(?) namens Ooccoo, dem Briefträger, den ich am liebsten getötet hätte oder den hässlichen Kindern und Clowns sind einfach nicht stimmig. Ich erwarte keine Grafikpracht wie bei Oblivion auf der XBOX360 aber spiele wie Final Fantasy XII oder das geniale God of War II auf der PlayStation 2 schaffen es doch auch auf ältererer Hardware, was die Wii nun mal ist, ein ansprechende und stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen.

Im Jahr 2007 sollten Figuren in Videospielen auch reden dürfenIm Jahr 2007 sollten Figuren in Videospielen auch reden dürfen

Aber Atmosphäre kann auch gar nicht richtig aufkommen, denn keine der Figuren im Spiel bringt auch nur einen Satz über die Lippen. Das der Protagonist stumm bleibt ist vollkommen verständlich. So kann man sich besser mit Link identifizieren. Doch wozu wird die Wii-Version auf DVD ausgeliefert wenn kein Fetzten Sprachausgabe die Surround-Boxen verlässt? Die dramatischen Zwischensequenzen wirken durch die fehlende Sprache schon fast lächerlich auch wenn sie die maue Story ohne Wendepunkte auch mit Sprachausgabe nicht nicht hätten retten können. Fehlende Sprachausgabe hat mich bei Okami schon dazu bewegt es aus dem DVD-Schacht der PS2 zu verbannen. Aber auch die Musik muss dieses Mal ohne neue Ohrwürmer wie die Musik von Kakariko Village auskommen und hört sich leider qualitativ so an als ob sie jemand auf einem Synthesiser eingespielt hätte was sehr wahrscheinlich auch traurigerweise nah an der Realität liegen wird.

Vor 5 Jahren wäre Zelda - Twilight Princess für mich ein Hit gewesenVor 5 Jahren wäre Zelda – Twilight Princess für mich ein Hit gewesen

Nun stellt sich vielleicht ein paar Leuten die Frage, warum ich dieses Spiel dennoch gespielt habe und wir uns vor allem dafür eine Nintendo Wii gekauft haben, wenn ich das Spiel doch so verdammt bescheiden finde. Ist Anke, mit der ich das Spiel in ca. 10 Sessions durchgespielt habe vielleicht ein so großer Zelda-Fan, dass sie mich quasi dazu überredet hat, es durchzuspielen? Die Wahrheit ist, dass ich sie dazu überreden musste. Sie hat lieber Viva Pinata oder Anno 1701 gespielt. Das Spiel ist und bleibt ein echtes Zelda. Das bedeutet, dass es nicht wirklich schlecht sein kann und das ist es auch nicht.

Selten habe ich in einem Videospiel eine Figur so gehasst...Selten habe ich in einem Videospiel eine Figur so gehasst…

Es macht wirklich Spaß die Waffen und Gegenstände nach und nach freizuschalten und mit ihnen die Rätsel zu lösen. Und auch das Angeln und Bogenschießen macht mit der Wiimote wirklich Spaß. Aber in meinen Augen wurde Zelda – The Wind Waker und nun auch Zelda – Twilight Princess anderenorts absolut überbewertet. Wenn nicht »Zelda« und »Nintendo« auf der Verpackung stünden, hatte es vielleicht nicht so viel Beachtung gefunden und die Schwächen des Spiels wären Nintendo nicht so leicht verziehen worden. Im Prinzip ist Twilight Princess für die Wii der Port eines GameCube-Spiels in das ein paar Wiimote-Features reingebastelt wurden.

Das Angeln macht dank Wiimote wirklich SpaßDas Angeln macht dank Wiimote wirklich Spaß

Außerdem ist der Preis der Konsole zusammen mit Zelda nur für eine Version mit verschlimmbesserter Fuchtelsteuerung und 16:9 Modus zu viel zudem das Spiel aus technischer Sicht schon beim Erscheinen veraltet gewesen ist. Denn neben Wii Sports, da ja schon der Konsole beilag, war das ein Spiel, was sich die meisten wohl damals dazu gekauft haben, weil es sonst nur mittelmäßige bis schlechte Spiele gab. Wäre es ein Jahr früher exklusiv für den GameCube erschienen, wäre dieser vielleicht nicht so extrem geflopt. Ich werde auch das nächste Zelda kaufen weil ich die Serie einfach mag und für mich »A Link to the Past« und »Ocarina of Time« zu den besten Videospielen aller Zeiten gehören. Aber ich wünsche mir, dass der nächste Sprung wesentlich größer ausfällt zwischen den Features von Zelda als es bei den letzten beiden Teilen der Fall gewesen ist. Und bitte Nintendo, gib Link und seinen hässlichen Freunden dann wenigstens eine Stimme.

Zelda – Twilight Princess: Das x-te Zelda ist leider nicht mehr und nicht weniger: Ein Zelda mit all seinen mittlerweile langweiligen Rätseln und Gameplay. Dazu ist es technisch eine Frechheit. Schade drum.Marc Tönsing 6.5/10 Wertung 2007-07-12 01:36:33