Video Games Magazin

Geschrieben von Marc Tönsing am 13 Kommentare

Beim Aufräumen bin ich über ein paar Pappschachteln hinter meinem Schrank gestolpert. In diesen Schachteln fand ich etwas, dass ich schon sehr lange nicht mehr in der Hand gehalten habe: Zeitschriften über Videospiele aus dem Jahre – Moment, ich muss den Staub fort pusten – aus dem Jahre 1995. Es sind Relikte aus einer Zeit, als es nur Nintendo und Sega gab und man sehnsüchtig eine NeoGeo-Konsole mit Samurai Shodown besitzen wollte. Es war die Zeit der Power Play Schwester-Zeitschrift »Video Games« als das Durchspielen von Zelda – A Link to the Past noch die kompletten Sommerferien in Anspruch nahm.

Mich traf sogleich ein Schock: Was mich damals vergöttert hatte, sieht nach meinem Studium mit starken Gestaltungsinhalten wirklich so aus, als wäre der Designer ein Pädagogik-Dozent beim gestalten seiner PowerPoint-Folien gewesen: Blau auf Orange wohin das Auge blickt. Aber damals gab es nichts cooleres als jeden Monat die Videogames zu kaufen. Es kommt ja schließlich auf die inneren Werte an.

Video Games 96' Resident Evil PS1 bekommt keine WertungFrühe Courage: Video Games 96′: Resident Evil bekommt keine Spielspaß-Wertung

Und genau die stimmten damals einfach. Ich war damals vor meiner PC-Spiele-Phase fast ausschließlich bis auf ein paar Ausnahmen auf den Konsolen zu Hause: Vom GameBoy über das Master System bis zum Super Nintendo habe ich auf diversen Plattformen das gespielt, was die Video Games uns treuen Lesern vorgebetet hat. Auch als ich die PlayStation am Tag der Markteinführung in Bielefeld bei »MC Game« gekauft habe, war dank der Wertung von 90% für Ridge Racer klar, welches Spiel ich zuerst in den CD-Schacht legen durfte.

Matthias Kubitscheck hat die Ehre in der Video Games erwähnt worden zu sein

Als Resident Evil dann im Jahre 1996 wegen Gewaltdarstellung keine Spielespaß-Wertung bekam aber die Redakteure praktisch zwischen die Zeilen geschrieben hatten, dass man dieses Spiel einfach haben musste folgte die Flut der grandiosen PlayStation-Titel die wir heute mehr als 10 Jahre später auf unseren Handhelds spielen dürfen. Dank der Videogames habe ich heute nutzloses Wissen über Geräte wie das Sega 32X, das Philipps CDi oder das 3DO von Panasonic. Ich sogar damals die Video Games Modekollektion zum Teil besessen.

Ein Markenzeichen der VG: Die lustigen Fotos der RedakteureEin Markenzeichen der VG: Die ›lustigen‹ Fotos der Redakteure

Etwas fällt im Unterschied zu den heutigen Zeitschriften inhaltlich besonders auf. Egal ob PS, Super Nintendo, 3DO oder NeoGeo: Es wird ein relativ starker Fokus auf die Technik gelegt. Der Virtua Fighter 2 Review beschreibt erstmal in der ersten Hälfte des Artikels die grafischen Effekte und geht überhaupt nicht auf eventuelle spielerische Unterschiede zu Tekken, Fatal Fury oder Street Fighter ein. Sogar die Werbung von Nintendo im Heft von Nintendo zum damals brandaktuellen Titel Donkey Kong Country 2 wirbt hauptsächlich mit der vermeintlichen Grafikpracht.

Geschönte Screenshots gab es anscheinend schon damals: WipEout vor dem ReleaseGeschönte Screenshots gab es anscheinend schon damals: WipEout vor dem Release

Denn die 16-Bit Generation hat sich noch relativ lange gehalten obwohl die PS1 und der Sega Saturn damals schon lange in den Regalen standen. In einem Artikel in einer der Ausgaben von 1996 steht sogar, dass sich Nintendo hauptsächlich damals durch den GameBoy finanziert habe und vor der Veröffentlichung des Ultra 64 praktisch damit seine Kassen füllen musste. Erst viel später verkaufte sich die PlayStation wie warme Semmeln. Da konnte dann auch das brillante Mario 64 und der Meilenstein Zelda – Ocarina of Time nicht mehr viel dran rütteln. Interessant war auch ein Artikel aus dem Jahre 1995 als Yamauchi von Nintendo die Steuerung des N64 als die größte Innovation angepriesen hat. Die Geschichte der Videospiele verläuft also vielleicht doch zyklisch. Und mir fällt gerade auf, dass ich schon seit Jahren keine Videospielezeitschrift mehr gekauft habe. Das Internet ist hier einfach viel schneller geworden.