
Seit kurzem gibt es ein neues Spiele-Magazin auf dem Markt: Das SELECT Magazin. Der Unterschied zu anderen gedruckten Spielemagazinen die man am Kiosk käuflich erwerben kann ist gravierend: SELECT ist kostenlos und nur als 78 Megabyte großes PDF auf der Webseite erhältlich. Dieses Konzept ist in meinen Augen eine der dämlichsten Ideen der letzten Zeit und ein Rückschritt gegenüber allen Online-Magazinen.
Wenn SELECT eine Webseite wäre, dann müsst der Leser nicht erst ein komplettes PDF runterladen wofür er zudem einen entsprechenden PDF-Betrachter installiert haben muss. Statt dessen könnte er selektiv die Inhalt auf einer entsprechenden Webseite anschauen, die ihn interessieren.
Die PDF-Datei ist zu meinem Acrobat 7 Reader nicht kompatibel und benötigt den Acrobat 8 Reader. Das liegt wahrscheinlich an den vielen Multimedia-Spielereien innerhalb des PDFs. Unter MacOS erzeugt die PDF-Datei in der Vorschau weiße Seite ohne dass eine entsprechende Meldung dazu angezeigt wird. Mein System ist relativ gut mit den aktuellen Versionen diverser Programme ausgestattet aber ich hatte es bis jetzt noch nie erlebt, dass ein PDF-Dokument eine neue Version des Readers benötigt die sogar nach der Installation einen kompletten Neustart des Systems erzwingt. Auch dies wäre mit einer Webseite nicht passiert.
Natürlich läuft die PDF-Datei auf meinem superschnellen Heimrechner optimal. Aber auf meinem Schreiblaptop oder auf einigen Arbeitsrechnern überfordert das PDF mit seinen Animationen einfach die Hardware. Das wäre zu verschmerzen, wenn die Animationen wirklich einen gewissen Sinn hätten und nicht einfach nur aufgesetzt wirken um “cool” zu wirken. Denn ruckelig macht das Navigieren innerhalb des PDFs einfach keinen Spaß. Mit einer entsprechenden Navigation in Form einer Webseite und weglassen der Animationen wäre das schon viel besser benutzbar.
Es gibt natürlich auch positive Aspekte: Das Magazin sieht gut aus. Jedenfalls besser als solche Augenkrebs-Layouts und Cover der Zeitschrift Maniac. Ansonsten ist es meiner Meinung nach ein Rückschritt wenn man versucht Internet so zu gestalten und zu produzieren wie Print. Ich kann es nur auf PCs und nicht auf Handy, Konsole, PSP oder ähnlichem angucken und alle Vorteile von Internetseiten gehen durch das Medium PDF gänzlich verloren wie Interaktivität, Skalierung an das System, Selektive Nutzung usw. Oder denkt man bei der SELECT, dass Leute das Magazin ausdrucken? Solche Dinge können nur Leute produzieren die nach wie vor am gedruckten Medium hängen und nicht die Vorteile des Internets sehen (wollen). Bitte macht aus dem PDF eine entsprechende Webseite. Ich stehe gerne als Berater tatkräftig zur Verfügung.
Weiterführende Links:
- SELECT Magazin – Offizielle Webseite
Also SELECT an sich finde ich nicht sch lecht. Ist ein nettes PDF-Magazin. Und solch Magazine sind nicht “veraltet”.
Aber in einem Punkt hast Du Recht:
“Jedenfalls besser als solche Augenkrebs-Layouts und Cover der Zeitschrift Maniac.”
Augenkrebs-Magazin
Augenkrebs-Forum
Augenkrebs-Fernsehspot
Das Magazin SELECT an sich mag sogar brauchbar sein aber nicht in Form eines PDFs. Das wäre ja so, als ob man auf Spiegel.de nur ein PDF laden könnte. Das ist einfach nicht “Internet” sondern “Print im Netz” was dort gemacht wird.
Es mag vielleicht nicht WWW sein, aber es ist natürlich Internet. So viel Genauigkeit muss sein. ;)
Ansonsten finde ich pdf-Veröffentlichungen nicht so schlimm – es gibt doch ständig Dinge, die man nur als pdf und nicht als Webseite angeboten bekommt. Gerade im akademischen Bereich ist das doch praktisch Standard.
Es ist ja nicht IM Netz, sondern aus dem Netz. Ich mag mich auch nicht bei Napster und Konsorten anmelden, um dann online Musik hören zu können. Ich möchte sie auch offline nutzen können.
Was hier angeboten wird, ist ein multimediales Magazin, das zwar über das Netz verbreitet wird, aber doch gar nicht als Internetmedium gedacht ist. Man könnte es genau so gut auf CD-Roms verteilen. Die Vorteile sind natürlich, dass man den Leseflow aus dem Printbereich hat, mit dem guten alten Blättercharme, und dazu noch einige interaktive Elemente bekommt, die Print nicht bieten kann. Das ist für eine ganz bestimmte Zielgruppe, der du offenbar nicht angehörst. Kein Rückschritt, kein Fortschritt, sondern eine Erweiterung des Angebots, zusammengestellt aus bestehenden Konzepten.
Ob Print am monitor sein muss, darüber kann man sich streiten.
Aber, die Vorteile von abgeschlossenen Printmedien sind mehr als, dass man es auf dem Scheisshaus lesen kann.
Gerade der vorgegebene Platz, Redaktionsschluß, notwendige Fehlerkontrolle usw. führen nämlich zu Selektion und zu qualität.
Internet hat sicherlich viele vorteile, oft wird das aber nicht genutzt und es entsteht beliebigkeit. Weil man einfach alles schreiben kann, fehler kann man korrigieren, statt wesentliches zu nennen wird alles geschrieben was einem einfällt und Artikeln wiederholen sich ständig.