
Uhhhh, eine Deutschland-Flagge. Hat Marc jetzt komplett den Verstand verloren? Während andere gerade “Der Untergang” gucken und sich schlecht fühlen, frage ich mich, warum wir nicht einfach mal etwas mehr nach vorne blicken. Schon in meiner Schule wurde die Erbschuld in Politik, Geschichte, Deutsch LK und sogar noch im Englisch LK thematisiert. Das ist auf jeden Fall nicht verkehrt aber warum so oft? Dadurch mussten andere, in meinen Augen mindestens genau so wichtige Inhalte, gestrichen werden. Generell wird einem der Spaß an der eigenen Herkunft genommen. Deutschland darf sich nicht freuen. Aber auch wenn es abgedroschen klingt: Ich habe damals nicht mitgemacht und sehe es nicht ein, warum ich dafür jetzt immer noch bezahlen soll.

So dürfen wir uns meist nur beim Fußball benehmen.
Andere Länder wie die USA haben mit dem Beginn der Ausrottung der Indianer, dem unnötigen Vietnam-Krieg oder der jüngsten Invasion des Iraks ziemlich viel Blut an ihrer Fahne. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn uns die US-AustauschschülerInnen fragen, ob wir Hitler schon mal gesehen hätten und warum wir nicht in Burgen leben, wenn Filme wie »Schindlers Liste« unser Bild nach außen darstellen.

Die Japaner dürfen sich mehr freuen als wir über uns selbst.
Filme wie »Full Metal Jacket« oder »Good-Morning Vietnam« sind zwar kritische Filme aber setzten sich fast schon auf komische Weise mit dem Thema auseinander. Wenn wir einen Film drehen würden der »Bombenhagel über Stalingrad« heißen würde und wir Schauspieler wie Ralf Richter Sätze sagen lassen würden wie
Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen – und was nicht passt, wird passend gemacht.
Die passende Musik für ein gemeinsames Europa mit einem starken Deutschland.
Generell möchte ich hiermit sagen, dass ich es schade finde, dass man sich in seinem eigenen Land nicht wohl fühlen darf. Jeder der mich kennt weiß, dass ich keinerlei politisch rechte Ambitionen habe. Gegen Ausländer habe ich grundsätzlich schon mal rein gar nichts. Viele meiner besten Freunde, Kumpel und Bekannten kommen ursprünglich nicht von hier. Ich glaube, dass die generell schlechte Stimmung im Land auch damit zu tun hat, dass wir uns ungern mit Deutschland identifizieren bzw. es ja auch nicht dürfen. Damit meine ich nicht, mit einer D-Fahne durch die Strassen zu ziehen und »Olé« zu singen, sondern einfach eine gesunde Verbundenheit mit unserem Land.

Eine wirklich schöne Sache finde ich die Kampagne der deutschen Medienunternehmen: Du bist Deutschland. Für eine neue Aufbruchstimmung wurden TV-Spots und Plakate gestaltet, die einem Land das Selbstbewusstsein wiedergeben sollen, dass ihm so lange gefehlt hat. Denn so scheisse sind wir gar nicht, finde ich.
Die aktuellen TV-Spots gibt es auf der offiziellen Webseite von Du bist Deutschland.
Nachtrag zu Fussball-WM

Dank Jochen W. aus H. kann ich euch einen Zeitungsausschnitt zur Verfügung stellen, wo man nachlesen kann, wie positiv die anderen Länder unseren neuen Patriotismus aufnehmen, der aus der Fifa WM empor gestiegen ist. Anscheindend haben nur ein paar Schwarzmaler aus vergangenen Tagen ein Problem mit den Deutschlandfahnen. Unsere Nachbarn sehen das wesentlich lockerer.
Die Deutschen haben durch die WM ihre nationale Identität wiederentdeckt.
Großbritannien – Indepentent
Dieser Patriotismus macht keine Angst mehr
Frankreich – L’Express
Endlich darf das nationale Selbstbewusstsein vor der ganzen Welt gezeigt werden.
Holland – Telegraaf
Die ist eine große Gruppentheraphie für die Deutschen die sich mit großen Identitätskomplexen herumplagen.
Spanien – Diario de Noticias
Wenn ich mir so gestern den Jahnplatz angucke und die vielen Fahnen an den Fenstern und Autos, dann weiß ich, dass viele anscheindend doch ein großes Bedürfnis haben, die D-Fahne zu schwenken und “Deutschlaaand” zu brüllen.
Dank Jochen habe ich nun den Beitrag um den Artikel aus der Neuen Westfälischen ergänzt. Sehr interessant, was Europa so über uns denkt.
Europa in Form meiner Tante anstelle ausgesuchter Zeitungsartikel dachte in Köln beim Spiel gegen Togo primär, dass sie noch nie in irgend einem Land so viele Fahnen gesehen hat und dass es ihr missfällt, als „Franzecke” beschimpft zu werden.
Es ist begrüßenswert, dass es hier schonmal nicht um Nationalstolz geht, sondern wohl darum, sich lediglich zu freuen, deutsch zu sein. Ich freue mich ganz sicher, dass ich nicht in einem afrikanischen Slum lebe, in einer amerikanischen Puritanierfamilie oder einem Al-Qaida-Trainingslager. Aber das ist wahrscheinlich auch nicht gemeint. Hmm, ich freue mich nicht, dass Merkel eine dumme Nuss ist und die Fundamente unserer Gesellschaft schneller aufgeweicht werden als ich „Aber das könnt ihr nicht tun!” sagen kann. Ich freue mich allerdings in der Tat, dass wir diese Fundamente mal hatten und sich in unserer Verfassung auch noch nachlesen lassen, auch wenn das niemanden mehr interessiert. Das ist wahrscheinlich, was du meintest, allerdings ist es momentan eine recht getrübte Freude.
Und wenn in soziale Ungerechtigkeit, Überwachungsstaat, Rechtsruck und blindes Festhalten an der Erwerbsarbeit dann eine Kampagne platzt, wo die „Promis” genannte Tele-Aristokratie mir erzählt, dass ich doch härter arbeiten solle, damit es aufwärts geht mit ihremääh…meinem Land… da möchte ich dann doch wieder die französische Hymne grölen.